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8.9.2010 : 11:47 : +0200

Vegetarismus

Offener Brief an fühlende Menschen

 

Die Weihnachtszeit glitzert überall; die Vorbereitungen auf das „besinnliche“ Fest laufen auf Hochtouren; auch im Schlachthof!

Tausende und abertausenden von Tieren werden nun getötet, millionenfach auf der ganzen Welt. Es ist entsetzlich: All das Blut, all die Schreie, all die Angst, resultierend aus der Ahnung ihrer bevorstehenden Schlachtung. Sie werden Weihnachten nicht mehr erleben, unser „Fest der Besinnung“.

Haben wir Zeit für Besinnung auch für unsere Mitgeschöpfe, den Tieren? Dürfen wir es uns erlauben, Leichenschmaus zu geniessen und uns der stummen Bitten der Tiere verschliessen, einfach nur leben zu wollen?

Ist es legitim, beteiligt zu sein an der Auslöschung eines Lebens, welches wieder anzuzünden wir nicht mehr im Stande sind? Und das nur mit der Begründung, gut essen zu wollen -, nicht aus einer anatomischen Notwendigkeit heraus.

Das sind Fragen, für welche sich leider viele Mitmenschen in der Vorbereitung auf Weihnachten, dem Fest der Nächstenliebe, nur wenig Zeit nehmen wollen. Aus Unmut vor der anstehenden Konsequenz?

 

Ein Unrecht ist auch dann ein Unrecht, wenn es von der Mehrheit verübt wird. Und wird es gerechter, nur weil es schon seit langer Zeit getan wird?

Unser Fleischessen ist eine gedankenlose Tradition.

 

 ÜBER 20 MILLIONEN TIERE ...
... lassen jährlich in Schweizer Schlachthöfen ihr Leben.

 

 

Oberflächlich mag es zwar einfacher sein, etwas zu Verdrängen als zu Hinderfragen, doch in Wahrheit ist es viel schwieriger so glücklich leben zu wollen. Während der Gaumengenuss vom Festbraten auf der Zunge schon nach Sekunden wieder schwindet, bleibt unsere Beteiligung an diesem Masaker innerlich im Herzen für immer unverdaut. Das Gewissen nagt in einem weiter, still, und auch unbewusst. Gut, was geschehen ist, können wir nun nicht mehr ändern, jedoch was geschehen wird, das können wir ändern. Unseren Herzen  zuliebe und für die armen Tiere, die allein unseretwegen getötet werden. Viele denken, dass ihre Entscheidung zur vegetarischen Lebensweise ja nichts bewirken würde. Ganz abgesehen, dass der Vegetarier seine Komplizenschaft  von Tiermorden beendet, braucht diese Welt das mutige und konsequente Eintreten Einzelner für Ideale, die vom Gewissen her als richtig verstanden werden. Das ist unerlässliche Voraussetzung für jede grundlegende Veränderung und Entwicklung.

Alle grossen Verbrechen in der Weltgeschichte funktionieren nur durch die vielen kleinen Mitläufer, die sich vor der persönlichen Verantwortung drücken und deren „Rechtfertigung“ immer dieselbe ist: „Was hätte ich alleine tun können?“ Auf mich kommt es doch gar nicht an.

 

Was zuvor unser Freund, das Tier war,  wird nun komischerweise plötzlich Nahrung genannt.

 

Tatsächlich und tagtäglich leiden immer noch unzählige Kühe, Schweine, Hühner, Schafe, Fische, Kaninchen, Ziegen, Pferde und viele mehr aufgrund unserer Konsumgier. Sie werden ausgebeutet und eingepfercht,  ihren ganzen Bedürfnissen beraubt und erleiden unsagbare Qualen nur weil wir ihr Fleisch essen wollen. Sie leiden, uns unterlegen. Das „Prinzip der Stärkeren“ verleiht aber kein ethisches Recht zur Ausbeutung. Vielmehr müssten wir unserer „Pflicht des Stärkeren“ nachkommen. Wir können uns auf das „Recht des Stärkeren“ berufen, aber wir müssen nicht. Genau damit verliert es für den Menschen jene Verbindlichkeit, auf die man sich berufen wollte. Es wird zu einer Entscheidungsmöglichkeit unter vielen. Überlegenheit gibt zwar Macht, aber nicht ethisch begründetes Recht. Der Mensch kann mehr als er darf. Ein Mensch, der seine Handlung einfach nur damit rechtfertigt, dass er es tun kann, ist ein Barbar.

Erstaunlich ist nur, dass in unserem Umgang mit Tieren das „Recht des Stärkeren“ noch immer als angemessenes Handlungsprinzip gilt. Darf ich es, nur weil ich es kann?

Wer die Berechtigung des Fleischessens mit der des Pflanzenessens begründen will, verkennt törichterweise, dass wir immer, wenn wir das Recht haben, Leid zu erzeugen, auch die Pflicht haben, es auf das geringste Mass einzuschränken. Leider glauben sehr viele Menschen, ein Übel, das sie nicht ganz beseitigen können, auch nicht einschränken zu müssen.

Ehrfurcht vor dem Leben ist die heilige Scheu vor der Vernichtung irgendwelchen Lebens, die Unmöglichkeit, etwas zu zerstören, was wir nicht neu schaffen können, einem Wesen etwas zu nehmen, was wir ihm nicht wiedergeben und nicht ersetzen können, ein Leid zu erzeugen, für das wir das leidende Wesen nicht entschädigen können und eine Tat auszuführen,  deren Folge der Mensch nur bruchstückhaft erkennt.

                                                                                                          

Unüberlegt ist die Ausrede, dass ein Nichtfleischessen eines Einzelnen gar nicht ins Gewicht fällt.

 

Der Durchschnitts-Schweizer verspeist im Leben

29 Kühe

42 Schweine

1200 Hühner

sowie Ziegen, Schafe, Rehe, Pferde und einige Fische

 

Zumindest diese Tiere werden jedem Menschen für den Schritt zur vegetarischen Lebensweise dankbar sein. 

Es ist nie zu spät, aufzuhören Fleisch zu essen, aber es ist immer ungerecht, es weiter zu tun.