Vegetarismus
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Angebote.
Zuerst immer der Mensch!
Solange es so viele leidende Menschen gibt, ist es
unverantwortlich, Zeit und Energie für Tiere zu investieren – die
Menschen kommen zuerst! So lautet eine häufige Kritik an
Tierrechtlern und Tierschützern. Nun, diejenigen, die so reden,
zeigen tatsächlich zunächst einmal eines: daß SIE NICHT zu
jenen gehören, denen die Menschen wirklich am Herzen liegen.
Denn wer sich wirklich um Menschen kümmert, dem sind auch
die Tiere ein Anliegen, und wer sich wirklich um Tiere kümmert,
dem sind auch die Menschen ein Anliegen.
Einen anschaulichen Beleg hierfür liefert ein einfacher Test: Man
frage jene, die das Menschen-zuerst-Argument propagieren,
welches Engagement für Menschen ihnen denn keine Zeit mehr
für Tiere lasse. Verlegene Ausflüchte werden die Folge sein!
Tatsache ist nämlich: Wer helfen will, hilft, ohne lange zu fragen,
wem er zuerst helfen sollte, und wer nicht helfen will, der hilft
eben nicht – und beruft sich dabei auf dubiose Prioritäten. "Die
Menschen kommen zuerst" ist in aller Regel ein Vorwand dafür,
um weder für Tiere noch für Menschen etwas zu tun.
Andererseits ist in der konkreten Praxis im gesamten Bereich
gemeinnütziger Tätigkeiten Aufgabenteilung sinnvoll und
notwendig. Und deshalb ist auch absolut nichts dagegen
einzuwenden, daß sich manche Menschen auf das Wohl von
Tieren konzentrieren. Einer Museumsgesellschaft wird ja auch
nicht, wie Gotthard M. Teutsch treffend feststellt, vorgeworfen,
sich nur um alte Kunst und nicht auch um alte Menschen zu
kümmern!
Erfreulicherweise gibt es aber im Alltag genügend Gelegenheit,
unabhängig von seiner „Hauptzielgruppe" für Menschen UND
Tiere etwas zu tun. So wird etwa niemand durch sein
Engagement für Menschen daran gehindert, keine Tiere zu
essen, also vegetarisch zu leben!
Und wozu führen ethische Überlegungen in bezug auf die Frage,
wem wir „zuerst" helfen sollten? Zunächst einmal zur Erkenntnis:
Absolute Prioritätensetzungen sind unsinnig. So würde etwa aus
der Verabsolutierung der Regel „Überleben ist wichtiger als
Gleichberechtigung" folgen, daß wir uns um die
Gleichberechtigung von Frauen erst kümmern dürften, wenn es
keine vom Tode bedrohten Menschen mehr gibt. Und aus der
Regel „Überleben ist wichtiger als Wohnen" folgte, daß wir uns
um Obdachlose erst kümmern dürften, wenn keine Menschen
mehr zu verhungern drohen.
Selbst plausible Prioritätensetzungen verlieren also durch
Verabsolutierung ihre Sinnhaftigkeit. Und Prioritätensetzungen,
die von vornherein fragwürdig sind, werden durch
Verabsolutierung noch unsinniger. „Die Menschen kommen
zuerst" ist eine solche von vornherein unsinnige Forderung!
Warum? Weil sie eine unbestreitbare Tatsache verleugnet: Es
gibt Mißstände, die schwerstes tierliches Leiden involvieren, und
Mißstände, die nur vergleichsweise harmloses menschliches
Leiden involvieren.
Schwerstes Leiden WENIGER ernstzunehmen als
vergleichsweise harmloses Leiden, ist offenkundig irrational
und ungerecht. Exakt dies fordern aber die
Menschen-zuerst-Befürworter: Die Menschen sollen IMMER
Vorrang vor Tieren haben – egal, wie schrecklich die Qualen von
Tieren und wie harmlos das Unbehagen von Menschen auch
immer sein mögen! Mehr noch: Gemäß der
Menschen-zuerst-Position brauchen wir uns die
Lebensbedingungen von Tieren nicht einmal ANZUSEHEN,
solange es noch irgendwelche Widrigkeiten für Menschen gibt.
Denn: Die Menschen kommen sowieso zuerst!
Damit wird quasi die Irrationalitätsschraube noch einmal
angezogen - und gleichzeitig jegliche Möglichkeit, die
Fehlerhaftigkeit unseres Vorurteils zu erkennen, ausgeschaltet:
Fakten, die man ignoriert, können einen nicht verunsichern.
So bedauerlich das Übermaß an Leiden auf Erden ist und so
verwirrend die Antworten auf die Frage, wie wir ihm begegnen
sollten, zuweilen auch sein mögen – eines ist immerhin sicher:
Die Menschen-zuerst-Forderung führt heillos in die Irre, weil sie
Fakten verleugnet und Irrationalität und Ungerechtigkeit zur
Regel macht: Selbst größtes tierliches Leiden zählt nichts im
Vergleich zu kleinstem menschlichen Leiden; selbst
lebenslanges tierliches Martyrium zählt nichts im Vergleich zu
kurzem menschlichem Unbehagen. „Die Menschen kommen
zuerst" ist eine intellektuelle und moralische Bankrotterklärung.
