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8.9.2010 : 11:40 : +0200

Fleischesser sind keine Tierschützer




 „Dem Tod entronnen ist am Samstag ein Schaf im steirischen
Gleisdorf. Als das Tier zur Schlachtung verladen werden sollte,
büchste es aus und rannte um sein Leben – und zwar direkt
zum Tierheim! Dort wurde der `Flüchtling` mit offenen Armen
empfangen.
Das Schaf dürfte gewissermaßen einen sechsten Sinn gehabt
haben. Bei der Sammelstelle vor dem Abtransport in den
Schlachthof begann das Tier seine waghalsige Flucht – es
überquerte sogar einen Bach, um seinem traurigen Schicksal zu
entkommen.
Auf der Suche nach Hilfe hatte der ein Jahr alte Schafbock einen
guten Riecher: Seine Flucht endete vor dem Gleisdorfer
Tierheim, wo er aufgenommen wurde. Mit finanzieller
Unterstützung der Grazer `Arche Noah` kauften die Gleisdorfer
Tierfreunde das Schaf - zum handelsüblichen Kilopreis von 2
Euro." (Kronen Zeitung, Sept 2006)

Das ist ein bemerkenswerter Bericht – aus mindestens zwei
Gründen: Erstens laufen solche Geschichten üblicherweise
nach einem ganz anderen Schema ab: Verzweifeltem Tier
gelingt die Flucht aus dem Schlachthof, eine Zeit lang „narrt" es
die herbeigeeilten Bauern und Polizisten, entkommt aber
letztlich doch nicht seinem Schicksal – und landet auf der
Schlachtbank.

Zweitens ist diese Meldung bemerkenswert, weil sie drastisch
die Schizophrenie unserer Gesellschaft in bezug auf Tiere
veranschaulicht: Es gibt sowohl Institutionen, die Tiere
umbringen, also auch Institutionen, die Tiere vor eben diesem
Schicksal bewahren.


Für diese Schizophrenie gilt es zu sensibilisieren. Um bei
diesem Beispiel zu bleiben: Es muß jedem Leser, der sich
darüber freut, daß dieses Tier nicht ins Schlachthaus, sondern
ins Tierheim gelaufen ist, klargemacht werden: Wenn er selber
weiterhin Fleisch ißt, ist er der direkte Auftraggeber zum Mord.

Die Schizophrenie: man will die Schlachtung nicht – und doch will man sie.

Der Anstoss dazu wird mit jedem Bissen Fleisch gegeben.


Generell: Es muß weiterhin mit aller Macht und auf allen Ebenen
verdeutlicht werden, daß die traditionelle Tierschutzposition,
wonach Tiere schützen und Tiere essen kein Widerspruch
seien, in Wirklichkeit der Inbegriff des Absurden ist. Wer den
Widerspruch zwischen Tiere schützen und Tiere essen
verwischt, verdummt die Menschen und verrät die Tiere.